Zehn aus Elf: Fragen und Antworten zum neuen Stadion

Zehn aus Elf: Fragen und Antworten zum neuen Stadion

Es gibt viele Fragen zum geplanten Stadionneubau am Wolfswinkel - und einige, die sehr häufig gestellt werden. Wir haben zehn davon herausgesucht und uns - natürlich aus Sicht des SC - bemüht, die zentralen Argumente für den Bau zusammenzutragen. Die elfte Frage ist die Publikumsfrage, also Ihre...

Frage 1: Es wird immer wieder angeführt, dass das Stadion an der Schwarzwaldstraße gegen zahlreiche Auflagen der Bundesliga verstößt. Ist das wirklich so dramatisch?

Zunächst die schlichten Fakten: Der SC spielt mit einer alljährlichen Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball Liga (DFL), weil er die verbindlich geregelten Platzmaße von 105 zu 68 Metern als einziger Bundesligist nicht einhält, sondern um fünf Meter unterschreitet. Außerdem hat der Platz ein Süd-Nord-Gefälle von einem Meter. Die Arbeitsbedingungen für Medienvertreter wurden bei der DFL-Lizenzierung auch in diesem Jahr als „auf Dauer nicht tragfähig" bezeichnet. Darauf hat auch Andreas Rettig, Geschäftsführer der DFL, im Dezember in einem Interview der Badischen Zeitung hingewiesen. Zugleich erinnerte er an die lediglich einmalige Ausnahmegenehmigung durch die UEFA im vergangenen Jahr und verwies auf die Mängel in der Infrastruktur um das Stadion herum. Rettigs Fazit: „Seit Jahren steht die Ausnahme auf immer wackligeren Beinen."

Frage 2: Warum muss überhaupt ein neues Stadion gebaut werden, anstatt am alten Standort um- beziehungsweise auszubauen?

Schon jetzt erfüllt das Schwarzwaldstadion des SC in vielen Punkten weder die Auflagen der DFL, noch ermöglicht es dem Sport-Club Einnahmen, mit denen er auf Sicht im deutschen Profifußball konkurrenzfähig sein kann. Ein Umbau, mit dem zumindest die essentiellen Mängel beseitigt würden, hätte aber wohl heutzutage aufgrund des unmittelbar angrenzenden Wohngebietes (40 Meter Luftlinie) keine Chance mehr auf eine Genehmigung. Und selbst wenn die Erlaubnis wider Erwarten doch erteilt würde, wären die in zwei unterschiedlichen Gutachten errechneten Umbaukosten von mindestens 50 Millionen Euro so hoch, dass das Projekt schon aus finanziellen Gründen keinen Sinn ergeben würde - zumal eine Erhöhung der Zuschauerkapazität am alten Standort aus rechtlicher Sicht ausgeschlossen ist.

Frage 3: Warum soll die Stadt 38 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen beim Bau eines neuen Stadions für einen gewinnorientierten Fußball-Bundesligisten ausgeben?

Weil der SC Freiburg weit mehr ist als ein Proficlub. Allein der Werbewert, den der Sport-Club für die Stadt besitzt, wird in Untersuchungen auf rund 30 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Mindestens genauso wichtig ist, dass der SC für viele Menschen in Freiburg und Südbaden Bestandteil ihres täglichen Lebens ist und damit Identität stiftet, also im positiven Sinne das Lebens- und Wir-Gefühl in der Stadt sowie in ganz Südbaden prägt. Und nicht zuletzt fördert der SC die Nachwuchsarbeit in Freiburg und Südbaden sowohl ideell wie materiell in großem Umfang: Zum einen, indem der Verein derzeit etwa 4 Millionen Euro pro Jahr in die Ausbildung von SC-Juniorinnen und -Junioren investiert, von denen ein Großteil nach ihrer Ausbildung in die regionalen Vereine zurückkehrt. Darüber hinaus aber auch, indem der Sport-Club mit vielen unterschiedlichen Maßnahmen die Jugendarbeit in Freiburg und der gesamten Region unterstützt - und somit ganz bewußt deren soziale Funktion fördert, die sie bei der Entwicklung junger Menschen und bei der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund erfüllt. Hinzu kommt außerdem, dass die zusätzlich geschaffene Infrastruktur nicht allein dem SC und seinen Stadionbesuchern zugute kommen würde, sondern auch der Messe, der Universität, dem Fraunhofer-Institut und dem gesamten Freiburger Westen - an 365 Tagen im Jahr.

Frage 4: Warum sollte man den Kostenschätzungen, die doch oft um ein Vielfaches überzogen werden, ausgerechnet beim Stadion glauben?

Bezüglich der Stadionneubauten in Deutschland in den vergangenen Jahren ist das nicht richtig. In Freiburg ist ohnehin vorgesehen, den Stadionbau zu einem Festpreis an ein Bauunternehmen zu vergeben. Das ist bei solchen Projekten gängige Praxis und liefert Kostensicherheit für alle Beteiligten. Die aktuell genannten Kosten für das Stadion sind außerdem von unterschiedlichen, erfahrenen Expertenteams ermittelt und geprüft worden. Dabei wurden mehrfach Sicherheitsaufschläge eingerechnet, die derzeit darauf hindeuten, dass die im Raum stehenden Ausgaben eher zu hoch als zu niedrig veranschlagt sind. Zudem hat sich der SC Freiburg über Jahrzehnte hinweg den Ruf erarbeitet, seriös zu planen und zu wirtschaften - und wird das auch beim Stadionneubau tun.

Frage 5: Wäre ein neues Stadion nicht eher schädlich als nützlich, falls der SC mal wieder in die Zweite Liga absteigen sollte?

Seit der SC Freiburg 1993 erstmals in die Bundesliga aufgestiegen ist, schaffte der Verein nach Abstiegen dreimal erneut den Aufstieg und spielt derzeit seine 16. Erstligasaison. Diese Kontinuität (auch der Wiederaufstiege) ist das Ergebnis einer konsequent umgesetzten Strategie, die darauf abzielt, in Erstligajahren so seriös und weitblickend zu wirtschaften, dass der Sport-Club nach Abstiegen - sollten sie einmal nicht zu vermeiden sein - auch über längere Zeiträume hinweg die finanziellen Möglichkeiten besitzt, um das Ziel Wiederaufstieg realistisch anpeilen zu können. Dieses Konzept soll durch ein neues Stadion noch besser abgesichert werden: Denn mit den Mehreinnahmen wird einerseits der dauerhafte Klassenerhalt in der ersten Bundesliga wahrscheinlicher; und außerdem können in einem neuen Stadion auch in Zweitligazeiten höhere Vermarktungseinnahmen erzielt werden als am jetzigen Standort.

Frage 6: Geht das neue Stadion nicht auf Kosten sozialer und kultureller Projekte - der Steuer-Euro ist ja nur einmal da?

Der SC kann und darf da natürlich nicht für die Stadt sprechen. Aber wir können sagen, dass wir in den zahlreichen Gesprächen sowohl mit der Verwaltungsspitze als auch mit den Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderats erkennen konnten, wie außerordentlich wichtig genau dieser Punkt für Stadt und Gemeinderat ist: Das Investment für die Strukturmaßnahmen zum Stadion darf nicht auf Kosten anderer kultureller oder sozialer Projekte gehen - und übrigens auch nicht auf Kosten des Stadtbahn-Ausbaus. Immer und überall, wo wir Gespräche zur Finanzierung geführt haben, wurde das unter anderem anhand der Beispiele Augustinermuseum und Schulsanierungen ausdrücklich betont. Laufende Zuschüsse im kulturellen und sozialen Bereich werden durch das Investment für das Stadion im Übrigen gar nicht berührt.

Frage 7: Der SC war doch bisher immer ein Vorzeigeclub in Sachen Ökologie. Warum will er nun ausgerechnet in einem stadtnahen Gebiet mit schützenswerten Pflanzen und Tieren ein Stadion bauen, anstatt es direkt an der Autobahn zu platzieren, wo es keinen stört?

Dass sich der Standort Wolfswinkel nach einer intensiven Suche aus vielerlei Gründen als der beste unter den rund 30 betrachteten Plätzen herausgestellt hat, wurde an zahlreichen Stellen erwähnt. Das gilt auch für die ökologischen Aspekte: So werden im Falle eines Neubaus umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen - beispielsweise für den Magerrasen - getroffen. Der Artenschutz wurde durch renommierte Gutachter intensiv erörtert und liegt auch dem Sport-Club am Herzen. Darüber hinaus ist der Standort angesichts seiner Nähe zur Stadt weitaus ökologischer als ein hauptsächlich mit dem Auto anzufahrendes Stadion direkt an der Autobahn: Er bietet vielen Fans die Möglichkeit, die Spiele des SC zu Fuß, per Rad, mit der VAG oder der S-Bahn zu erreichen. Somit kann die Zahl der PKW-Stellplätze vergleichsweise gering (2100) gehalten werden. Ein Stadion vor den Toren der Stadt hätte neben der schlechteren Erreichbarkeit aber auch den Nachteil, dass zu einem finanziell und ökologisch deutlich höheren Preis Bahnlinien und andere Verkehrswege gelegt werden müssten. Der SC Freiburg versteht sich also auch weiterhin als ökologisch agierender Verein, der nicht nur in der Vergangenheit viel Pionierarbeit geleistet hat (Solaranlagen, ÖPNV-Partnerschaft, Mehrwegsystem u.v.a.), sondern dies auch in der Zukunft tun möchte.

Frage 8: In anderen Städten finden ständig Rock-Konzerte in Stadien statt. Sind solche Events auch in Freiburg geplant, um die hohen Kosten für das Stadion zu refinanzieren?

Nein, Stadion-Open-Airs sind nicht geplant. Wenn kein Spielbetrieb stattfindet, können die Räume des Stadions für kleinere Kulturveranstaltungen, Seminare oder Konferenzen genutzt werden. Im Gespräch ist auch eine Mensa für die angrenzende Universität. Auf Großkonzerte ist das Nutzungskonzept definitiv nicht abgestellt.

Frage 9: Werden die Verkehrsprobleme mit dem neuen Stadion nicht einfach nur vom Freiburger Osten in den Westen verlagert?

Nein. Zum jetzigen Standort an der Schwarzwaldstraße gibt es bekanntlich nur eine größere Zufahrtsstraße, die sich zum Stadion hin auch noch nadelöhrartig auf zwei Spuren verengt und dabei am direkt angrenzenden Wohngebiet entlangführt. Das neue Stadion wäre dagegen direkt an zwei leistungsfähige, vierspurige Straßen angebunden: die Madisonallee respektive Berliner Allee mit Anschluss an den Autobahnzubringer Mitte; und die Granadaallee mit Anschluss an den Autobahnzubringer Nord. Das gewährleistet kurze Wege zur Autobahn, die die Innenstadt nicht mehr tangieren, und zudem eine schnelle Verteilung des Autoverkehrs nach Spielende in alle Richtungen. Trotzdem wird das neue Stadion durch seine relative Stadtnähe und die Straßenbahn- und Breisgau-S-Bahn-Anbindung noch besser als bisher zu Fuß, mit dem Rad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein.

Frage 10: In der Debatte wird oft mit Synergien argumentiert, die im Freiburger Westen durch den Stadionbau entstehen können. Wie sollen diese denn konkret aussehen?

Konkret sehen diese Synergien vor allem so aus, dass viele Baumaßnahmen nicht allein den jährlich 17 bis 20 Heimspieltagen des SC zugutekommen. Von den zusätzlichen Parkplätzen profitiert beispielsweise auch die Messe Freiburg. Eine neue Straßenverbindung entlastet die Hermann-Mitsch-Straße und die Elsässer Straße, die parallel zu dieser Spange verlaufen würden. Aber vor allem greifen die Anbindung eines Stadions ans Verkehrsnetz und der Bau der 11. Fakultät der Freiburger Universität und des Fraunhofer-Instituts ineinander: mit einem leistungsfähigen S-Bahn und VAG-Anschluss, bei dem die Gleise nicht aufwändig von einem entfernten Stadtteil gelegt werden müssen. Im Übrigen wird auch diskutiert, dass im Stadion Räumlichkeiten für die Universität, zum Beispiel eine Mensa, bereitgestellt werden könnten - und wie möglicherweise ein (zumindest teilweise) gemeinsames Energiekonzept realisiert werden kann. Die Synergien kommen also auch dem Freiburger Westen zugute und nicht nur dem Sport-Club und der Universität. Und sie sparen der Stadt und dem Land Kosten.

Frage 11: Haben Sie jetzt noch Fragen?

Dann schicken Sie uns die doch einfach an stadionfrage@scfreiburg.com.

Kommentare anzeigen
kommentieren