Das Winterer-Stadion: Ein Rückblick mit Zukunftsperspektive

Das Winterer-Stadion: Ein Rückblick mit Zukunftsperspektive

Ein Stadionneubau im Wolfswinkel würde für den SC Freiburg die Rückkehr in eine frühere sportliche Heimat im Freiburger Westen bedeuten: Von 1928 bis 1937 trug der Sport-Club seine Spiele schon einmal in unmittelbarer Nähe des Freiburger Flugplatzes aus. SC-Archivar Uwe Schellinger gewährt aus gegebenem Anlass interessante Einblicke in die Vergangenheit des Vereins.

Neubeginn nach dem Ersten Weltkrieg

Nach Ende des Ersten Weltkriegs war der SC zunächst als Fußballabteilung des Gesamtvereins Freiburger Turnerschaft (FT) angetreten und hatte dadurch seine Spiele auf dem FT-Gelände auf dem alten Messplatz an der Schwarzwaldstraße bestreiten können. Nach der Loslösung von den Turnern Ende des Jahres 1923 erwog man einen gänzlichen Umzug auf das frühere Exerzierplatz-gelände der Stadt Freiburg. Auf den dortigen Sportplätzen trainierten und spielten zu diesem Zeitpunkt schon die verschiedenen SC-Reservemannschaften.

Nun plante der SC, am nordwestlichen Rand Freiburgs eine eigene Sportstätte für sich zu errichten. Trotz erheblicher Anstrengungen der Vereinsmitglieder und schon weit gediehener Vorarbeiten ließen sich diese Pläne jedoch vorerst nicht verwirklichen, da das finanzielle Risiko letzten Endes als zu groß angesehen wurde.

Die sportlichen Erfolge der 20er-Jahre

Sportlich konnte man im Jubiläumsjahr 1924 allerdings einen großen Erfolg feiern: Angeführt von einer Spielerpersönlichkeit wie Oskar Müller gelang 1924 zum ersten Mal der Aufstieg in die übergeordnete Bezirksliga Württemberg/Baden. Beim SC Freiburg fasste man den Entschluss, sich nunmehr mit dem Freiburger Polizei-Sportverein zusammenzutun, der in der Nähe selbst einen großen Stadionbau auf städtischem Gelände in Angriff genommen hatte. Der SC wurde Mit-Bauherr und 1927 schließlich Mitbesitzer des neuen Stadions, das man nach dem damaligen Freiburger Oberbürgermeister Otto Winterer benannte - und das über eine weitaus größere Zuschauerkapazität als die frühere Spielstätte an der Schwarzwaldstraße verfügte.

Im Jahr 1928, als der Stadionbau zum Abschluss kam, lief es für den SC sportlich erneut hervor-ragend: Zum ersten Mal seit der Vereinsgründung konnte man als Dritter der Bezirksliga den lokalen Konkurrenten FFC überflügeln. In der darauf folgenden Relegation zur Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft gelang im neuen Winterer-Stadion vor geschätzten 6000 Zuschauern die Sensation: Am 12. Februar 1928 schlug der Sport-Club den damals amtierenden Deutschen Meister 1. FC Nürnberg durch Tore von Mayer und Baumgart mit 2:1. Die SC-Elf des Jahres 1928, die berühmte „Henger-Mannschaft“, kann sicherlich als die beste SC-Mannschaft bis dahin angesehen werden.

Das Winterer-Stadion im Freiburger Westen

Die offizielle Einweihung des neuen Winterer-Stadions erfolgte dann am 1. März 1928. Ein im Freiburger Stadtarchiv überlieferter Stadtplan aus dem Jahr 1930 (siehe Bild) zeigt das Winterer-Stadion dort, wo sich heutzutage die südlichen Gebäude der Neuen Messe befinden. Das Stadiongelände verlief damals von Südwesten nach Nordosten und schloss mit dem oberen Ende an den damaligen Scheibenweg (heute Hermann-Mitsch-Straße) an - ungefähr auf Höhe der heutigen Abzweigung der Liebigstraße in Richtung Recyclinghof. Offizielle Stadionadresse war „Scheibenweg 3“.

Bereits seit 1930 musste der SC Freiburg das Winterer-Stadion alleine unterhalten, da der Polizei-Sportverein aus finanziellen Gründen zum Ausstieg aus der Kooperation gezwungen war. Der SC fand sich dadurch seinerseits bald in größeren Schwierigkeiten wieder. Zudem gingen die Wirtschaftskrisen und politischen Kurswechsel dieser Jahre auch am SC Freiburg nicht spurlos vorüber. Sportlich pendelte der Verein zwischen der Bezirks- und der Gauliga.

(Vorläufiger) Abschied vom Freiburger Westen

Ende Juni 1936 kündigte die Stadtverwaltung dem inzwischen reichlich klammen Sport-Club den Pachtvertrag für das Winterer-Stadion mit Frist zum 1. April 1937. Das Stadiongelände sollte offenbar für eine Gebietsführer-Schule der Hitlerjugend sowie für ein Übungszentrum des Deutschen Luftsport-Verbandes bereitgehalten werden - das heißt in der Zielsetzung für den militärischen Flugverkehr. Der SC Freiburg war zu diesem Zeitpunkt erheblich verschuldet und hatte die Pachtzahlungen für das Stadiongelände schon länger nicht mehr vollständig aufbringen können. Für die Stadtverwaltung hatten die Ansprüche des Militärs nun Vorrang vor den Interessen eines Fußballvereins.

Nach neun Jahren Spielbetrieb im Freiburger Westen musste der SC Freiburg das Winterer-Stadion aufgeben, das 1937 abgerissen wurde. Fortan spielte der Verein wieder auf Sportplätzen im Osten der Stadt.

Uwe Schellinger, Archiv des SC Freiburg

Kommentare anzeigen
kommentieren