Stadien der Bundesliga - Investitionen in die Zukunft

Stadien der Bundesliga - Investitionen in die Zukunft

Die Fußball-Arenen der Bundesliga gehören nicht ohne Grund zu den modernsten ihrer Art und müssen den internationalen Vergleich nicht scheuen. Immerhin ist die Fußball-Bundesliga die zuschauerstärkste Liga der Welt: Laut offizieller DFL-Zahlen kamen in der Saison 2013/14 durschnittlich 42.609 Zuschauer pro Spiel in die Stadien der deutschen Erstligisten.

Dass es sich bei dieser Rekordzahl um einen Durchschnittswert handelt, der maßgeblich von großen Arenen wie in Dortmund oder München bestimmt wird - von Fußball-Tempeln also, die weit jenseits der aktuellen wie auch der anvisierten Maßstäbe des SC Freiburg liegen -, sollte über eines nicht hinwegtäuschen: Der Sport-Club darf sich auf keinen Fall von der Konkurrenz abhängen lassen - erst recht nicht von seinen direkten Kontrahenten. Denn für Vereine, die im hart umkämpften Profifußball-Geschäft den Anschluss nicht verlieren möchten, sind moderne Stadien mit all ihren Annehmlichkeiten unabdingbar geworden.

Der Stadionboom in Deutschland

Nicht allein die WM 2006 sorgte für einen wahren Bauboom, auch ihre Nachwirkungen brachten weitreichende Konsequenzen für alle Liga-Akteure mit sich: Nachdem die großen Clubs und die deutschen Großstädte ihre Stadien bereits im Vorfeld des "Sommermärchens" modernisiert hatten, rüsteten viele Vereine nach, um wettbewerbsfähig zu bleiben, entstand ein regelrechter Sog, der kleinere Fußball-Clubs keineswegs verschont. Und diese Entwicklung betrifft nicht etwa nur die erste Liga: Ein gehobener Standard mit Logen und Catering wird längst auch in der zweiten und teilweise sogar in der dritten Liga nachgefragt.

"Man muss darauf achten, den Zeitpunkt für einen Stadionbau nicht zu verpassen", mahnte Andreas Rettig, aktueller DFL-Geschäftsführer, deshalb schon 2007 in seiner Funktion als Manager beim FC Augsburg - und erinnerte damit an Borussia Mönchengladbach. Der fünffache Deutsche Meister hatte um die Jahrtausendwende nach fachkundigen Einschätzungen auch deshalb den sportlichen Anschluss verloren, weil mit dem alten Stadion am Bökelberg nicht mehr genug Geld einzunehmen war.

Der Borussia-Park in Gladbach

In die gleiche Richtung zielt eine Äußerung des renommierten Fußball-Reporters Mercel Reif: "Die Mannschaft in Gladbach schmierte irgendwann ab - und dann haben sie dort gesagt: Wir müssen ein neues Stadion bauen!" Tatsächlich konnte sich die Borussia in der neuen sportlichen Heimat recht schnell erholen und weitgehend konsolidieren, spielte seitdem nur eine Saison (2007/08) nicht in der ersten Bundesliga - und schaffte noch im selben Jahr den sofortigen Wiederaufstieg. Angesichts der aktuellen Debatte in Freiburg empfiehlt Reif deshalb jedem, "sich das Borussia-Stadion mal anzukucken. Das hat genau die Dimension, die für Gladbach stimmt."

Ähnlich wie in Freiburg heute war ein kompletter Umbau in Mönchengladbach schon zu Beginn der 90er-Jahre gescheitert - unter anderem am Widerstand der Anwohner. Auch dort hieß die Lösung Neubau. Im Juli 2004 wurde schließlich im Westen der Stadt nach weniger als zwei Jahren Bauzeit der Borussia-Park mit einer Gesamtkapazität von 60.250 Plätzen (rund 54.000 im Ligabetrieb) eingeweiht - darunter 1758 Business-Seats und 684 Logenplätzen.

Die überwiegend mittels Darlehen finanzierten Baukosten der Arena, die zwischen den Stadtteilen Holt und Rheindahlen liegt, beliefen sich auf insgesamt 86,9 Millionen Euro; die Borussia konnte Eigenmittel von 7,65 Millionen Euro beisteuern - also etwas mehr als die Hälfte jener Summe, die der SC Freiburg als minimale Einlage in sein Projekt einbringen wird.

Die Coface Arena in Mainz

Dass auch ein Stadion vor den Toren der Stadt Probleme mit sich bringen kann, zeigt das Beispiel der Mainzer Coface Arena. Doch immer der Reihe nach. Die im Juli 2011 nach rund 22 Monaten Bauzeit eröffnete Spielstätte des FSV Mainz 05 weist einige Parallelen zum Stadion-Projekt in Freiburg auf. Zum einen spielte auch in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt die Notwendigkeit eine wichtige Rolle, dem Verein einen wettbewerbsfähigen Austragungsort für seine Heimspiele zu schaffen: mit mehr Zuschauerkapazität, einer moderneren Infrastruktur und erweiterten Nutzungsmöglichkeiten. Zum anderen war auch die Vorgeschichte der 34.000 Plätze umfassenden neuen Arena der rot-weißen Nullfünfer von einer ausgedehnten Standortsuche, von Protesten seitens der Projektgegner und von einer Bürgerbeteiligung während der Planungsphase geprägt - letztere wurde in Mainz in Form einer Podiumsdiskussion umgesetzt.

Ein Neubau neben dem alten Bruchwegstadion inmitten des Stadtteils Hartenberg/Münchfeld kam aufgrund von Lärmschutz-Auflagen ebensowenig in Frage wie in Freiburg. Letztlich wurde ein bis dahin landwirtschaftlich genutztes Gelände westlich des Stadtteils Bretzenheim ausgewählt, das an die Erweiterungsflächen des Campus der Johannes Gutenberg-Universität grenzt. Dass auch in Mainz angestrebte Synergieeffekte tragend für diese Standortentscheidung waren, die Kritiker sich davon aber kaum besänftigen ließen, dürfte sich für Freiburger Ohren bekannt anhören. Nicht weniger vertraut klingen die von Projektgegnern befürchteten negativen Auswirkungen des Stadionneubaus auf Boden, Landwirtschaft, Klima und Finanzen.

Schlussendlich wurde die Arena dennoch gebaut und spült seitdem zusätzliche Gelder in die Vereins-Kassen - nicht zuletzt durch die 2750 Business- und Logenplätze sowie den 2900 Quadratmeter großen Business-Club. Belegt wird dieser wirtschaftliche Erfolg unter anderem durch den Rekordumsatz des FSV Mainz 05 im Geschäftsjahr 2013/14, der laut DFL-Angaben bei 76,7 Millionen Euro lag.

Unmut erregt das Stadion aber trotz aller positiver Effekte nach wie vor - in erster Linie aufgrund seiner Lage: So sehen sich die Bretzenheimer Landwirte, deren Felder die Fußballarena umschließen, angesichts des von Fans auf ihren Äckern hinterlassenen Mülls als die eigentlich Leidtragenden. Die Anhänger von Mainz 05 beschweren sich ihrerseits über verschlammte und mieserabel beleuchtete Feldwege, die sie zu Fuß oder mit dem Rad als Zugangswege zum Stadion nutzen müssen.

Und auch die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ganz offenbar ausbaufähig. Mit den Shuttlebussen, die an Heimspieltagen vom Hauptbahnhof und dem Messe-Parkplatz verkehren, sei die Anbindung zwar gut, wie ein Mainz-Fan der Allgemeinen Zeitung kürzlich berichtete. Komme man aber vom Lerchenberg mit dem Bus oder von Bretzenheim zu Fuß oder per Rad, sei es eine Katastrophe.

Die SGL-Arena in Augsburg

Nicht nur in Gladbach und Mainz, sondern auch in Augsburg brachte der 2009 eingeweihte Stadionneubau den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung für den Verein - und auch dort tragen Premium-Plätze zum Erfolg bei: Schon in der zweiten Bundesliga waren 42 von insgesamt 52 Logen der SGL-Arena belegt. Seit der FC Augsburg allerdings erstklassig spielt, brummt das Geschäft so richtig. So konnten im Anschluss an den Aufstieg "auch die restlichen zehn komfortablen 'Fußball-Wohnzimmer' innerhalb weniger Tage vermietet" werden, gingen "auch die Business-Seats weg wie warme Semmeln", wie die Augsburger Allgemeine seinerzeit berichtete.

Dass ein Logen-Vertrag über drei Jahre läuft und für eine Zehner-Loge zwischen 40.000 und 65.000 Euro pro Saison berappt werden müssen, schrecke die Unternehmen nicht ab. Sie freuen sich, ihren Kunden ein besonderes Erlebnis bieten zu können, und bescheren dem FCA zeitgleich die so dringend notwendige Planungssicherheit und damit jene Wettbewerbsfähigkeit, die auch in Augsburg ein grundlegendes Argument für das neue Stadion war - zweifellos eine Win-win-Situation.

Die insgesamt 30.660 Zuschauern Platz bietende Arena rentiert sich für den Verein aber unabhängig vom Premium-Angebot: Denn nicht nur die Nachfrage nach Logen und Business-Seats ist unverändert groß, wie der FC Augsburg auf Nachfrage von Stadion-für-Freiburg.com mitteilt. Auch ansonsten ist die Auslastung der 45 Millionen Euro teuren SGL-Arena mit einem Jahresschnitt von rund 96 Prozent (Angaben des FCA zur Saison 2013/14) mehr als zufriedenstellend.

Fazit des Rundblicks

Wie wichtig konkurrenzfähige Stadien mit geeigneten Vermarktungsmöglichkeiten im heutigen Profifußball sind, welch bedeutende Perspektive sich mit einem der Situation angepassten Neubau auch für den SC Freiburg eröffnen würde, dürfte anhand dieser ausgewählten Beispiele etwas deutlicher geworden sein. Weitere Vorbilder aus der ersten und zweiten Bundesliga, die diesen Sachverhalt belegen, ließen sich ebenso mühelos aufzählen wie Negativbeispiele für unverhältnismäßige Bauten - denen der Sport-Club jedoch ohnehin nicht nachzueifern gedenkt.

Letztlich bleibt noch zu betonen: Es sind nicht nur die Clubs, sondern auch ihre Fans, die von den modernen Spielstätten und ihren Rahmenbedingungen profitieren: Indem ihnen Bundesliga-Fußball auf höchstem Niveau und unter besten Bedingungen geboten werden kann; aber auch, weil die günstigeren Steh- und Sitzplätze fast immer vom hochpreisigen Segment subventioniert werden. Denn um für jeden Geldbeutel bezahlbare Eintrittspreise gewährleisten zu können, sind Vereine und Stadionbetreiber häufig auf eben jene Mehreinnahmen aus Logen und Business-Plätzen angewiesen, die einigen als "unnötiger Luxus" gelten.

Auch der etwas andere, für nachhaltiges Handeln bekannte Bundesliga-Club aus der südwestlichsten Ecke Deutschlands bildet keine Ausnahme, wenn es um den im Fußball-Geschäft bestehenden Druck geht, wirtschaftlich denken und die eigene Wettbewerbsfähigkeit sichern zu müssen. Aktuell befindet sich der SC Freiburg hinsichtlich der Stadioneinnahmen auf dem 17. Tabellenplatz, läßt in diesem Punkt lediglich Neuaufsteiger Paderborn hinter sich. Mittel- bis langfristig müsse der Verein aber auf den zölften Platz im Liga-Vergleich kommen, um die Lücke zu schließen und nicht jedes Jahr wichtige Spieler verkaufen zu müssen, wie SC-Präsident Fritz Keller kürzlich betonte - um dann den logischen Schluss daraus zu ziehen: "Der Bürgerentscheid ist für den SC Freiburg die wichtigste Entscheidung der letzten 20 Jahre!"


Bild: Der Borussia-Park in Mönchengladbach (Quelle: DFL).

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