"Ohne wettbewerbsfähiges Stadion ist das Risiko sehr groß"

"Ohne wettbewerbsfähiges Stadion ist das Risiko sehr groß"

Zuspruch kommt auch von einem guten alten Bekannten des Sport-Clubs: Jens Todt, der in den 90er-Jahren eine tragende Säule des Erfolgs der "Breisgau-Brasilianer" war und heute als Sport-direktor beim Karlsruher SC mitverantwortlich zeichnet, betont im Gespräch mit Jürgen Schieck die enorme Bedeutung eines zukunfts- und wettbewerbsfähigen Stadions im modernen Profifußball. Schon deshalb wünscht der langjährige Mittelfeldspieler des SC Freiburg seinem alten Verein ein positives Ergebnis beim Bürgerentscheid am 1. Februar.

Übrigens ist auch Interviewer Jürgen Schieck kein unbeschriebenes Blatt: Als Journalist und langjähriger Moderator beim "Sport im Dritten" kennt sich das Gründungsmitglied der Bürgerinitiative "Freiburg für Fairplay - pro Stadion" bestens in der Fußball-Landschaft aus und engagiert sich nicht grundlos für das neue Stadion im Wolfswinkel.

Jürgen Schieck: Jens, Glückwunsch zur Vertragsverlängerung als KSC-Sportdirektor! Kontinuität in der Führung ist die Basis für erfolgreiches Arbeiten beim KSC, wie auch bei Deinem ehemaligen Klub SC Freiburg.

Jens Todt: Dankeschön! Kontinuität erhöht zumindest dramatisch die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Der SC Freiburg hat oft vorgemacht, dass es sich lohnt, auf dem Weg zu bleiben, für den man sich entschieden hat - auch gegen Widerstände.

Jürgen Schieck: Es gibt noch weitere Parallelen. Beide Klubs erhalten in absehbarer Zeit ein neues Stadion. Ist Profifußball auf dem heutigen Niveau ohne wettbewerbsfähige Spielstätte wie in Hoffenheim, Stuttgart oder Mainz auf Dauer sportlich und wirtschaftlich überhaupt machbar?

Jens Todt: Die finanziellen Unterschiede zwischen den Vereinen sind heute noch gravierend größer, als sie vor ein, zwei Jahrzehnten ohnehin schon gewesen sind. Es ist ein kleines Wunder, dass sich der SC Freiburg seit so vielen Jahren in der Bundesliga hält. Dass der Sport-Club dies trotz des erheblichen Standortnachteils eines nicht wettbewerbsfähigen Stadions geschafft hat, kann man gar nicht hoch genug bewerten. Aber viele Vereine sind auf dem Sprung: Düsseldorf, Braunschweig, natürlich auch Ingolstadt und Leipzig mit ihren konkurrenzlosen Finanzierungs-möglichkeiten. Ohne wettbewerbsfähiges Stadion ist das Risiko sehr groß, dass der SC Freiburg eingeholt und schließlich auch dauerhaft überholt wird.

Jürgen Schieck: Im Gegensatz zum Karlsruher Gemeinderat - das Stadionprojekt im Wildpark schien eigentlich schon mehrfach gescheitert - hat der Freiburger noch einen Bürgerentscheid Pro und Contra am 1. Februar 2015 auf den Weg gebracht. Wie siehst Du die SC-Chancen für einen Neubau im Wolfswinkel, immerhin beträgt das Quorum 25 Prozent aller Wahlberechtigten?

Jens Todt: Wir sind sehr froh, dass der Karlsruher Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für einen Stadionneubau im Wildpark gefasst hat. Ohne ein wettbewerbsfähiges Stadion ist der KSC auf Dauer absolut chancenlos, den großen Rückstand auf die Konkurrenz aufzuholen. Bei allem Charme, den das Wildparkstadion hat: man kennt solche absolut veralteten Spielstätten ja kaum noch in Deutschland. Was die Situation in Freiburg betrifft, so verfolge ich zwar aus der Entfernung die Diskussion, kann aber nicht beurteilen, wie groß die Neubau-Chancen tatsächlich sind. Ich wünsche dem SC, dass die Freiburger im Februar dokumentieren, wie wichtig ihnen die Chance auf Bundesligafußball ist.

Jürgen Schieck: Zur Gegenwart: Schafft Christian Streich mit dem SC erneut den Klassenerhalt in der 1. Liga und kann der KSC noch ins Aufstiegsrennen eingreifen?

Jens Todt: Das werden wir sehen. Im bisherigen Saisonverlauf hatten wir einige Male den Eindruck, dass uns doch noch einiges fehlt im Vergleich zu den Spitzenmannschaften der 2. Bundesliga. Andererseits ist der Abstand nach oben nicht groß; wir werden alles probieren, um erneut positiv zu überraschen. Was den SC betrifft, so bin ich davon überzeugt, dass er wieder eine reelle Chance auf den Klassenerhalt hat - auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die überlegenen großen Traditionsvereine am Tabellenende im Saisonverlauf noch mit einem Kraftakt die Kurve kriegen. Aber so ist es ja jedes Jahr. In Freiburg sind die sportlich Verantwortlichen immer dazu verdammt, mehr richtig zu machen als die überlegene Konkurrenz.


Das Interview findet sich zusammen mit weiteren Stimmen prominenter Fürsprecher auf der Website der Initiative "Freiburg für Fairplay - pro Stadion".

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