Die Zukunft des Sport-Clubs hängt vom neuen Stadion ab

Die Zukunft des Sport-Clubs hängt vom neuen Stadion ab

"Den Freiburgern muss klar sein, dass der SC Freiburg nicht selbstverständlich ist", mahnte DFL-Chef Christian Seifert am Samstag beim Neujahrsempfang des Sport-Clubs - und machte damit den Erhalt des Bundesliga-Standorts Freiburg an der Stadion-Frage fest. Mehrfach betonte er im Podiumsgespräch mit SWR-Moderator Tom Bartels die essenzielle Bedeutung des Stadionneubaus für die Zukunft des Breisgauer Erstligisten: Wer gegen das Stadion sei, spreche sich zugleich auch gegen den Bundesliga-Fußball in Freiburg aus.

Die fachliche Kompetenz, derartige Fragen zu beurteilen, kann dem Vorstandsmitglied des Ligaverbandes schwerlich abgesprochen werden. Immerhin ist Seifert als Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die auch für die Lizensierung der Bundesliga-Clubs zuständig ist, mit allen Mechanismen und Interna des Profi-Geschäfts vertraut. Entsprechend weiß er, was so mancher nicht hören will - und spricht es auch aus: "Zum Profi-Fußball gehört nunmal auch Geld - das ist eine Wahrheit, die nicht verleugnet werden sollte."

Einer der drei gesündesten Clubs in Deutschland - ohne neues Stadion trotzdem chancenlos

Vor den Leistungen des SC Freiburg und dessen Verantwortlichen hat der gebürtige Rastatter großen Respekt: "Der SC ist einer der am seriösesten geführten Vereine der Bundesliga - und finanziell einer der drei gesündesten Clubs in Deutschland." Dennoch fehlen dem Sport-Club im Vergleich zu den Liga-Konkurrenten laut Seifert drei bis fünf Millionen Euro an Stadion-Erlösen pro Saison.

Mit den 24.000 Plätzen des Schwarzwald-Stadions liege der Verein schon jetzt auf dem vorletzten Platz und deutlich unter dem Zuschauerschnitt der Liga, der rund 40.000 Besucher pro Spiel beträgt - ganz ohne an all jene zu denken, die von unten kommen und ihre Stadien nachrüsten. Mittel- bis langfristig könne das nicht gutgehen, warnte Seifert deshalb, werde die Lücke zur Konkurrenz ohne wettbewerbsfähige Spielstätte immer größer: "Dann kann Fritz Keller noch so gut wirtschaften und Christian Streich noch so gut trainieren - der SC Freiburg wird mit diesem Stadion auf Dauer nicht Profi-Fußball spielen können."

Kein Bundesliga-Fußball ohne geeignete Rahmenbedingungen

Es seien die geeigneten Rahmenbedingungen, an denen es in Freiburg mangele. Und zwar ungeachtet dessen, dass die Bundesliga immer stärker in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücke, ihre Beliebtheit global weiter zunehme - und damit eben auch die Anforderungen an die deutschen Stadien, etwa der Bedarf an adäquaten Arbeitsplätzen für die steigende Zahl der Medienvertreter. Schließlich dürfe nicht vergessen werden, so Seifert weiter, dass die von der DFL an Fußball-Clubs verteilten Gelder zu einem großen Teil aus der Vermarktung der Fernsehrechte stammen. Der Liga-Funktionär kann sich deshalb vorstellen, dass irgendwann die Frage aufkommen werde, ob die Verteilung dieser Gelder angesichts ungleicher örtlicher Voraussetzungen noch gerecht sei.

Für die Stadion-Gegner hat der DFL-Chef deshalb wenig Verständnis, trotz hoher Kosten eines Neubaus. Immerhin sei der Sport-Club "extrem stabil finanziert". Als Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates der Bundesliga-Stiftung weiß er aber auch um die sozialen und integrativen Funktionen des Fußballs, die beim SC Freiburg traditionell einen hohen Stellenwert haben. Immerhin bewirke dieser Sport viel Gutes, häufig sogar mehr als staatliche oder religiöse Institutionen - und noch dazu generationsübergreifend und unabhängig von sozialen Unterschieden.

Auch gegenüber der SWR-Sendung "Sport im Dritten" unterstrich Seifert nochmals: "Dem SC Freiburg entstehen durch dieses Stadion einfach unglaubliche finanzielle Nachteile, weil gewisse Erlöse nicht mehr erschlossen werden können." Ein "Nein" beim Bürgerentscheid könne er deshalb nicht nachvollziehen: "Dann verdient Freiburg auf Dauer keinen Erstliga-Club."

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