Allen Fans gerecht werden - Barrierefreiheit verbessern

Allen Fans gerecht werden - Barrierefreiheit verbessern

"Lasst uns nicht im Regen stehen!", ist die gerechtfertigte Forderung von SC-Fan Frank "Chopper" Schneider, seines Zeichens Vorsitzender des SC-Fanclubs "Weingärtner Füchse" und selbst auf den Rollstuhl angewiesen. Im Rahmen der Plakat-Aktion des SC Freiburg wirbt er mit diesem Slogan um die "Ja"-Stimmen der Freiburger Bürgerinnen und Bürger - mit einer überzeugenden Begründung:

"Freiburg braucht endlich ein Stadion, in dem es auch für Menschen mit Handicap angemessene Plätze gibt. Stimmen Sie für den Neubau am Wolfswinkel."

Tatsächlich ist der Sport-Club sehr darum bemüht, all seinen Fans gerecht zu werden, und möchte ihnen gerne uneingeschränkte Fußball-Atmosphäre bieten können. Am jetzigen Standort ist das jedoch leider nicht umsetzbar, gibt es einige Plätze mit eingeschränkter Sicht aufs Spielfeld, leiden aber vor allem Fans mit Behinderung an einer unangemessenen, nicht vor Wind und Wetter schütztenden Unterbringung. Zumal die entsprechenden Plätze auch zahlenmäßig bei weitem nicht der Nachfrage genügen. SC-Präsident Fritz Keller wird deshalb nicht müde zu betonen, dass es beim neuen Stadion nicht allein um Logen oder Business-Plätze gehe: "Es geht auch um angemessene Behindertenplätze."

"Das sind unhaltbare Zustände"

Rückendeckung bekommt der SC Freiburg auch in dieser Hinsicht aus dem Freiburger Gemeinderat, namentlich von der 33-jährigen Betriebswirtin und Stadträtin Anke Dallmann (Freie Wähler). Die Befürworterin des Stadionneubaus äußerste sich diesbezüglich gegenüber der Badischen Zeitung folgendermaßen:

"Im Schwarzwald-Stadion haben die Schwerbehindertenplätze auf der Südtribüne hinter dem Tor einen unangemessenen Standort, sie sind nicht einmal überdacht, so dass man dort bei Regen nass wird. Und ab und an kriegen die Rollstuhlfahrer, weil sie ganz vorne stehen, ein Bier von hinten übergeschüttet. Das sind unhaltbare Zustände. Zudem gibt es ein Vielfaches mehr an Anfragen als Plätze.

Ich selbst bin als Rollstuhlfahrerin gerne bei meinen Stadtratskollegen auf der Haupttribüne, da muss ich mir immer von Ordnern helfen lassen; wobei ich davon profitiere, dass ich schrittweise gehen kann. Die Stufen sind für mich aber nicht einfach hochzusteigen, es gibt nicht einmal Geländer an den Treppen.

Inzwischen hat die Deutsche Fußball-Liga Standards festgelegt: Rollstuhlplätze müssen regengeschützt und entsprechend breit für größere Rollstühle sein, und es muss Platz für Begleitpersonen geben."

DFL-Empfehlungen zur "Barrierefreiheit im Stadion"

Im Mittelpunkt dieser von Dallman angesprochenen DFL-Empfehlungen stehen "infrastrukturelle Bedingungen zur Verbesserung bzw. Einrichtung von Zuschauerplätzen für Menschen mit Behinderung". So ist in diesen Richtlinien etwa nachzulesen, dass Stellplätze für Rollstuhlfahrer so anzuordnen seien, "dass sie dem Rollstuhlfahrer jederzeit eine gute, durch stehende Zuschauer, Ordner, Pressevertreter, Kameras oder sonstige Personen und Gegenstände nicht zu verstellende Sicht auf das Spielfeld ermöglichen".

Auch die von Dallmann erwähnte Lage der entsprechenden Plätze "im überdachten, regensicheren Bereich" ist in den DFL-Empfehlungen zur "Barrierefreiheit im Stadion" ebenso festgehalten wie Normen zu Rampen oder Wende- und Ausweichflächen. Zudem wird eine Mindestbreite von 90 Zentimetern für die Stellplätze angeregt - deren Anordnung "unmittelbar vor einem Stehplatzblock" darüber hinaus "zu vermeiden ist".

Für den Sport-Club, dessen soziales Engagement ligaweit als vorbildlich gilt, ist die Umsetzung all dieser und weiterer Empfehlungen eine Herzensangelegenheit - die im Schwarzwald-Stadion allerdings nicht zu realisieren ist. Das Thema Barrierefreiheit stellt sich deshalb als zusätzlicher wichtiger Grund dar, beim Bau eines neuen Stadions ein gut durchdachtes, ausgewogenes Konzept ausarbeiten und verwirklichen zu können, das allen Besuchern ein uneingeschränktes und damit ungetrübtes Stadion-Erlebnis ermöglicht - vor allem aber niemanden mehr "im Regen stehen" lässt.

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