SC beschreibt Rahmenbedingungen für den Einsatz von Holz

SC beschreibt Rahmenbedingungen für den Einsatz von Holz

Am 8. Dezember trafen sich in den Räumlichkeiten des Schwarzwaldstadions Mitglieder aller Gemeinderatsfraktionen in der Arbeitsgruppe SC-Stadion, um sich in einem Expertengespräch die Optionen zur Realisierung des neuen Stadions unter maßgeblicher Verwendung von Holz zu informieren. Mit der Anhörung namhafter Fachleute und der anschließenden Diskussion kamen der Sport-Club Freiburg und die Stadt dem Auftrag nach, bei der Realisierung des neuen Stadions auch den Einsatz des Baustoffs Holz zu prüfen; so hatte es der Gemeinderat auf Antrag mehrerer Fraktionen mehrheitlich im Frühjahr 2015 beschlossen.

Als externe Referenten nahmen an der Sitzung teil Landesforstpräsident Max Reger aus dem Landesministerium für Ländlichen Raum, der Ibbenbürener Stadionarchitekt  Stefan Nixdorf  sowie Thomas Schubert und Arnaud Judet  als Vertreter des französischen Bauunternehmens VINCI Constructions, das in Frankreich zwei Stadionprojekte (Nizza und Sochaux) überwiegend in Holzbauweise realisiert hat. Architekt Nixdorf, der an neun großen Stadionbauen maßgeblich mitgewirkt hat, hat für St.Pölten das dortige Fußballstadion in Holzbauweise entworfen. Damit wurden die wichtigsten Stadionprojekte in Holzbauweise in Mitteleuropa kompetent vorgestellt.

In seiner Begrüßung sprach SC-Präsident Fritz Keller die Hoffnung auf einen offenen und kritischen Dialog unter Berücksichtigung der langfristigen Risiken und im Rahmen des wirtschaftlich Machbaren aus. Baubürgermeister Prof. Martin Haag unterstützte das gemeinsame Anliegen von SC und Stadt, mit einer sachlichen Debatte und unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen  in dem demnächst laufenden Ausschreibungsverfahren größtmögliche Klarheit für die Architekten und Bauunternehmen zum Einsatz von Holz im Stadionbau zu schaffen.

Mit Nachdruck wiesen Haag und der Leiter des städtischen Rechtsamts, Matthias Müller, auf den finanziellen Rahmen hin, der für den Gemeinderat durch den Bürgerentscheid vom 1. Februar 2015 gesetzt worden sei. Da Gegenstand der Abstimmung im Wesentlichen das Kosten- und Finanzierungskonzept mit einem definierten Kostenrahmen von höchstens 70 Millionen Euro war, sei die Stadt daran gebunden. Darauf hat jüngst auch die Kommunalaufsicht des Regierungspräsidiums hingewiesen. 

In ihren Vorträgen stellten die Referenten aus ihrer jeweiligen fachlichen Sicht den Einsatz von Holz in aktuellen Stadionbauten vor. Die wichtigsten Kernaussagen aller Experten: Grundsätzlich ist der Einsatz von Holz technisch möglich, allerdings bisher bei Stadionprojekten erst sehr selten realisiert und erprobt. Der Einsatz sei immer abhängig vom finanziellen Rahmen für Investition und Folgekosten, sowie von der Gestaltung und Größe des Stadionkörpers und den daraus resultierenden Spannweiten zu beurteilen. Die von den Fachleuten dargestellten Stadion sind (mit Ausnahme der Arena in Nizza mit einem  Investitionsvolumen von über 200 Millionen Euro)  deutlich kleiner als das in Freiburg vorgesehene Stadion, das für 35.000 Zuschauerplätze geplant wird. In technischer Hinsicht stellen sie so genannte „Hybrid-Lösungen“ dar, bei denen Holz in Kombination mit Stahl oder anderen herkömmlichen Materialien eingesetzt wird. Unter den deutschen Bundesligastadien gibt es bisher kein Beispiel für eine Holzbauweise.

Die nachfolgende Diskussion mit den Experten führte daher in den entscheidenden Punkten der Langlebigkeit und den Kosten für Investition und Unterhalt zu keiner eindeutigen Empfehlung  für den Einsatz von Holz. Vielmehr legten die Architekten dar, dass es auf ein schlüssiges Gesamtkonzept ankomme, in dem Holz eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielen könne. 

Im Anschluss an die Diskussionsrunde stellte SC Vorstand Oliver Leki daher in seinem Statement die Position des Vereins für den Einsatz von Holz beim Stadionneubau vor. Für den Sport-Club kommt in solchen Bereichen, in denen Holz der Witterung ausgesetzt ist (Dach- und Tragwerkskonstruktion, Außenfassade, Tribünen) dieser Baustoff nicht infrage. Diese Rahmenbedingungen begründete Leki mit der Tatsache, dass der Verein im Wesentlichen das wirtschaftliche Risiko und den Unterhalt für das Stadion trägt und es bis heute keine belastbaren Aussagen zur langfristigen Beständigkeit von Holz im Stadionbau gibt.

Im Innenausbau (Deckenbau oder Gestaltung des Eingangsbereichs) könne die Verwendung von Holz, so Leki, in einer innovativen Form berücksichtigt werden. Aber auch hier gelte für den Sport-Club die Maßgabe, dass der Einsatz von Holz nicht teurer werden darf als von anderen Baustoffen, und nicht zu einer zeitlichen Verzögerung des Projekts führen dürfe. Beispielhaft verwies Leki auf das Konzept des Forschungscampus  ARENA2036 Stuttgart aus dem Bereich Bionischer Deckenbau und regte an, sich auf dieser Basis über innovative Ideen auszutauschen.

Als wichtigste Kriterien nannte der SC-Vorstand neben  der Einhaltung des Investitionskostenbudgets auf der Basis des Bürgerentscheids in Höhe von maximal 70 Millionen Euro (einschließlich Risikozuschlägen) die Einhaltung des zeitlichen Rahmens für die Realisierung, die funktionalen Anforderungen an den Baukörper sowie die Gestaltungsqualität. Der SC erklärte, dass hier trotz Gewährleistungen kein „Restrisiko“ beim Verein verbleiben könne.  

In seiner Zusammenfassung dankte Prof. Haag den Experten für ihre Vorträge und den Stadträtinnen und Stadträten  für die offene Diskussion.  Im weiteren Fortgang des Projekts ist vorgesehen, ab Anfang des Jahres die europaweite Ausschreibung  eines Vergabeverfahrens aller Planungs- und Bauleistungen für das Stadion an einen „Totalübernehmer“ vorzubereiten.  Parallel dazu entscheidet der Gemeinderat voraussichtlich Anfang Februar über die Gründung einer „Stadion Freiburg Objektträgergesellschaft“ (SFG), die ab April 2016 als gemeinsame Gesellschaft der Stadt und des Sport-Club Freiburg als Bauherrin und künftige Betreiberin des Stadions fungiert. In der Verantwortung der Gesellschaft liegen dann auch die Durchführung des Ausschreibungsverfahrens sowie die Entscheidung über die Vergabe. Bürgermeister Haag kündigte an, dass die Ausschreibung keine Vorgaben für oder gegen einen bestimmten Baustoff und Bauweise enthalten soll, um im Wettbewerbsverfahren die Möglichkeit offen zu lassen, dass teilnehmende Architekten auch Vorschläge für den Einsatz von Holz einbringen können.

Stadt und Sport-Club betonen die Anforderungen, die an jede Materialauswahl zu stellen sind: Nachhaltigkeit und Langlebigkeit, Kosten der Investition und des Unterhalts, erprobte Eignung und wirtschaftliche Beherrschbarkeit des Baustoffs, sowie gestalterische und architektonische Einfügung in Charakteristika des Standorts.

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