Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 26.10.2016

Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 26.10.2016

26.10.2016

+Bürgermeisteramt legt im Gemeinderat ausführlichen Sachstandsbericht zur Planung des neuen Fußballstadions vor

+Aufwändige Bebauungsplanverfahren mit zahlreichen Gutachten

+Konzept zur Energieversorgung soll überschüssige Abwärme der Fa. Solvay (Rhodia) über ein Fernwärmenetz nutzen und somit die Weichen in Richtung Klimaneutralität stellen

+Gutachten zum Flugplatz mit klaren Aussagen: Das Stadion-Bauwerk hat keine negativen Auswirkungen auf die Flugmeteorologie  

+Zur Sicherheit an den Stadtbahn-Haltestellen: Gutachter empfehlen Stopp des Flugbetriebs jeweils 90 Minuten nach Spielende

+Vergabeverfahren zur Auswahl eines Totalunternehmers: Entscheidung soll bis zum Sommer 2017 fallen

Die Planung für das Projekt eines neuen Fußballstadions am Wolfswinkel läuft in den städtischen Ämtern und im Baudezernat sowie bei der Stadion Freiburg Objektträger GmbH (SFG) auf vollen Touren. In einer ausführlichen Vorlage informiert das Bürgermeisteramt den Gemeinderat in dessen Sitzung am 15. November – fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Grundsatzbeschluss für ein neues Fußballstadion vom 18. November 2014 – über den aktuellen Sachstand in den wesentlichen Teilbereichen des Stadionprojekts:

  • Die Bauleitplanung mit zwei Bebauungsplanverfahren, mit denen die Baurechte für das Stadionprojekt sowie für die benachbarten Erweiterungsflächen der 11. Fakultät geschaffen werden.

  • Die Entwicklung eines Konzepts zur Energieversorgung, basierend zu einem Gutteil auf erneuerbaren Energien und der Nutzung von überschüssiger Wärme der Fa. Solvay (Rhodia).

  • Die Planung zur Verkehrserschließung mit Straßen, Radwegen, Stadtbahnanschluss und Fußwegen.

  • Die künftigen Auswirkungen des Stadions und seines Betriebs auf den Flugplatz und den Flugbetrieb.

  • Das bereits angelaufene Vergabeverfahren in der Federführung der SFG, mit dem ein Totalunternehmer für die Realisierung des Stadions plus angrenzende Außenflächen ausgewählt wird.

Alle Bausteine sind miteinander verzahnt und in einem engen Zeitplan miteinander abgestimmt. Dies soll gewährleisten, dass praktisch zeitgleich mit der Entscheidung über einen Totalunternehmer auch das Baurecht in den Bebauungsplanverfahren geschaffen wird und noch im 2. Halbjahr 2017 die ersten Vorarbeiten beginnen können, abgestimmt mit der Verkehrserschließung, dem 2. Bauabschnitt der Stadtbahn Messe und Veränderungen für den Flugplatz.  

Bauherren sind die SFG für das Stadion, und die Stadt Freiburg für die Außenanlagen und die verkehrliche Erschließung. Aufgrund der Komplexität des Projekts und der Verfahren liegt die Projektleitung in einer eigens eingerichteten Projektorganisation beim städtischen Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung (APS), die dazu eng mit der Projektleitung für das Stadion beim Sport-Club Freiburg zusammenarbeitet. Beide Projektleiter, Jochen Tuschter (APS Stadt Freiburg) und Marcel Boyé (SC Freiburg) sind gleichzeitig auch nebenamtliche Geschäftsführer der Stadt Freiburg Objektträger-GmbH & Co. KG (SFG), neben Reinhard Zähringer (Stadtkämmerei).

Bauleitplanverfahren:

Die bauplanungsrechtliche Grundlage des Stadionprojekts bilden zwei Bebauungspläne: Die Änderung des bereits bestehenden Teilbebauungsplans „Flugplatz/Universitätsquartier“, der auch die Erweiterungsflächen der 11. Fakultät zwischen dem Flugplatz und Stadionareal sowie der Breisacher Bahn umfasst, sowie der Bebauungsplan „Neues Stadion am Flugplatz“, dessen Aufstellung der Gemeinderat im Mai 2013 beschlossen hat. Für beide Pläne ist die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange bereits letztes Jahr erfolgt; um den Prüfaufwand der Umweltprüfungen zu ermitteln, fand im Sommer 2015 ein so genannter Scopingtermin statt.

Für das gesamte Areal ist ein städtebaulicher Rahmenplan auf der Basis des Verkehrskonzepts erarbeitet worden, der das inhaltliche Gerüst der Bebauungspläne bildet. Aktuell werden die Einwände, Hinweise und Anregungen aus dem Beteiligungsprozess in die Planung eingebaut, ebenso die seit dem Aufstellungsbeschluss entwickelten Änderungen in der Planung. Sie betreffen im Wesentlichen die Fläche der Trainingsplätze am Stadion, die Verkehrsführung im südlichen Bereich, eine zusätzliche Anbindung der Universitätsflächen zwischen dem 1. und 2. Baufeld, die Anlage des Busbahnhofs und die Entscheidung für ein zweigeschossiges Parkdeck vor der Haupttribüne.

Für die Bebauungspläne werden mehrere Fachgutachten notwendig, die teilweise auf den bereits 2013/2014 eingeholten Stellungnahmen von Fachgutachtern zur Ermittlung der so genannten K.O.-Kriterien aufbauen. Gutachten wurden in Auftrag gegeben unter anderem zu den Themenfeldern Schallschutz, Boden und Altlasten, Verkehr, Entwässerung, Luftschadstoffe und Richtfunk. Ebenso lässt die Stadt mögliche magnetische Felder und Erschütterungen durch die Stadtbahn und die Breisacher Bahn untersuchen, die den Forschungsbetrieb in der Technischen Fakultät beeinträchtigen könnten. Einen breiten Raum nehmen schließlich die Untersuchungen zu stadtklimatischen Auswirkungen der Stadionplanung sowie zur Flugmeteorologie und Flugsicherheit ein.

Für beide Bebauungspläne sind Umweltverträglichkeitsprüfungen erforderlich, in denen die Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenarten geprüft und Schutzmaßnahmen definiert werden. Dies betrifft beispielsweise das Aufkommen der Haselmaus und diverse Wildbienen-Populationen, und den Nachweis von Ausgleichsflächen für schützenswerten Magerrasen und Waldflächen.  

Mit dem Offenlagebeschluss 2017 werden die Gutachten öffentlich einsehbar und liegen dafür dem Gemeinderat vor. Mit der Offenlage erreicht der Planentwurf bereits eine weitgehende Verbindlichkeit; in diesem Stadium sind alle bis dahin eingegangenen Anregungen, Bedenken, Aussagen der Gutachter usw. in das Planwerk integriert. Auf die Offenlage, in der die Bürgerschaft nochmals Gelegenheit zur Stellungnahme hat, folgt (falls keine größeren Planänderungen notwendig werden) die so genannte „Planreife“, die bereits Bau- und Erschließungsmaßnahmen gestatten. Letzter Schritt der Bebauungsplanverfahren sind die Satzungsbeschlüsse durch den Gemeinderat.   

Energiekonzept:

Die Nutzung von Fernwärme aus überschüssiger Abwärme des Industrieunternehmen Solvay (früher: Rhodia) im Industriegebiet Nord ist der wichtigste Baustein des innovativen Energieversorgungskonzepts, das in enger Abstimmung mit dem Umweltschutzamt, der Stadiongesellschaft, der FWTM und zwei Fachbüros entwickelt worden ist.  Es sieht vor, die Abwärme aus dem Produktionsprozess der Fa. Solvay abzunehmen und in ein Fernwärmenetz einzuspeisen, das den Wärmebedarf nicht nur des Stadions, sondern noch weiterer Projekte im Umfeld deckt. So wird konkret über einen Anschluss der Messe, des geplanten FWTM-Gebäudes an der Messe sowie weiterer, nicht städtischer Immobilien verhandelt. Da die Wärme bisher nutzlos verloren geht, ist das Konzept CO2-neutral und kommt faktisch ohne Primärenergie aus. Die Gutachter gehen von einer CO2-Einsparung von rund 550 Tonnen jährlich im Vergleich zu einer herkömmlichen Heizungsanlage für das Stadion aus. Damit kommt die Energieversorgung dem Ziel eines klimaneutralen Stadions nahe, zumal der Jahresbedarf an elektrischer Energie weitestgehend durch Photovoltaik-Anlagen gedeckt werden soll. In welcher Größe und an welchen Standorten Photovoltaik installiert werden kann, hängt letztlich von der architektonischen Gestaltung des Stadions ab und somit vom Ausgang des Vergabeverfahrens für einen Totalunternehmer. Angestrebt werden zwei Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 2000 kWp, die für den gesamten Jahresbedarf des Stadions ausreichen und zusätzlich Strom ins Netz einspeisen können.

Verkehrserschließung:

Gegenüber der ursprünglichen Planung ist das Konzept der verkehrlichen Erschließung weitgehend gleich geblieben und nur in Details modifiziert worden. Wichtigster Baustein der Verkehrserschließung bleibt die Stadtbahn; mit der Verlängerung der Stadtbahn Messe bis zur Endhaltestelle an der Hermann-Mitsch-Straße (Bauzeit: 2018/2019) sollen an der Madison-allee drei Haltestellen angelegt werden, an der drei Stadtbahnzüge gleichzeitig hintereinander halten können. Bis zum Stadion sind es von dort noch rund 800 Meter Fußweg über einen breiten Fußgängerboulevard. Aus allen Richtungen führen auch Radwege zum Stadion mit Anschlüssen an das vorhandene Radwegenetz.

Für den Autoverkehr werden mehrere Erschließungsstraßen gebaut: Von der Granadaallee zweigt eine dreispurige Straße nach Süden ab, die sich nördlich des Stadions teilt, das Stadion umfährt und entlang des Universitätsareals nach Süden führt; dort trifft sie mit der Erschließungsstraße Ost zusammen, die entlang der Abgrenzung zum Flugplatz parallel zur Landebahn östlich des Stadionareals ebenfalls nach Süden läuft und in die Madisonallee einmündet. Außerhalb des Spielbetriebs stellt diese Verbindung eine wirksame Entlastung des Straßennetzes zwischen Granadaallee und Madisonallee dar; an Spieltagen dient sie ausschließlich zur An- und Abfahrt für die am Stadion bestehenden Parkflächen.

Gebaut wird ab 2017/2018 nicht nur am Stadiongelände, sondern auch auf dem angrenzenden Areal der Universität, wo zwei große Institutsgebäude im Baufeld 3 entstehen werden. Zur Erschließung beider Baustellen wird eine provisorische Baustraße von der Madisonallee bis zur Stadionbaustelle angelegt.

Auswirkungen für Flugplatz und Flugbetrieb:

Für den Flugplatz bedeutet das Stadionprojekt vor allem eine deutliche Verkleinerung des heutigen Flugplatzgeländes. Rund 16 Hektar Fläche im westlichen Teil werden für das Stadion „entwidmet“; dazu hat der Flugplatz das entsprechende Verfahren beim Regierungspräsidium eingeleitet. Die Antragsunterlagen dieses Verfahrens können aktuell bis zum 10. November  im Stadtplanungsamt eingesehen werden. Davon betroffen ist vor allem der Segelflug, der nicht am jetzigen Standort westlich der Start- und Landebahn verbleiben kann. Frühestens zum 30. Juni 2017 muss der Segelflugbetrieb auf den bisherigen Bahnen aufgegeben werden. Die Geschäftsführung der Flugplatz-Gesellschaft plant,  eine Segelflugbahn auf die Flächen östlich der Start- und Landebahn zu verlagern, und ist darüber in Gesprächen mit den Segelflugvereinen. Gemeinsames Ziel von Stadt und Flugplatz-Gesellschaft ist es, möglichst zeitnah zur Schließung der bestehenden Bahnen eine neue Anlage für den Segelflug in Betrieb zu nehmen, damit die betroffenen Segelflugvereine am Standort bleiben und ihre Einrichtungen und Hallen weiter nutzen können; wie weit dies möglich ist, hängt unter anderem von den Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium ab.

Ebenso betroffen sind die Fallschirmspringer, deren Landeplatz ebenfalls in der künftigen Stadionfläche liegt. Für sie ist am Freiburger Flugplatz nach heutigem Stand kein Ersatz möglich. Die Stadt verhandelt derzeit mit dem Breisgauverein für Fallschirmsport e.V.  über eine mögliche Unterstützung bei einem Umzug auf einen anderen Flugplatz.

Gutachten zur Flugsicherheit und Flugmeteorologie

Zu mehreren Aspekten der Flugsicherheit und Flugmeteorologie liegen inzwischen die Ergebnisse von Gutachten vor. Diese wurden von international renommierten Büros durchgeführt, die bislang nicht bei den Untersuchungen der K.O.-Kriterien im Vorfeld des Grundsatzbeschlusses vom November 2014 eingebunden waren. Neben der Gesellschaft für Luftverkehrsforschung (GfL) aus Dresden war für den Bereich Flugmeteorologie die Fa. Wacker Ingenieure aus Birkenfeld tätig.

Stadtbahn Messe: Die GfL hat im Auftrag der Stadt die möglichen Risiken untersucht, die durch den Flugbetrieb für wartende Fahrgäste der Stadtbahn an den geplanten drei Haltestellen der Madisonallee entstehen können. Der Grund: Die Haltestellen liegen in der südlichen Verlängerung der Start- und Landebahn und damit in dem Bereich, der bei Starts und Landungen von bzw. in Richtung Süden überflogen wird. Da es erfahrungsgemäß nach Spielen zu größeren Menschenansammlungen kommt, die auf die Stadtbahn warten, empfehlen die Gutachter als Risikominimierung eine Einstellung des Flugverkehrs für einen Zeitraum von jeweils eineinhalb Stunden nach Spielende. Eine Untersuchung für den Zeitraum vor Spielen wurde zunächst zurückgestellt, weil sich die Zuschauerströme auf dem Weg zwischen Stadtbahn und Stadion stärker entzerren.

Die Einstellung des Flugbetriebs jeweils 90 Minuten nach Spielende stellt aus Sicht der Verwaltung einen vertretbaren geringfügigen Eingriff in die Betriebszeiten des Flugplatzes dar. Organtransporte können in dem fraglichen Zeitpunkt auf benachbarte Flugplätze und einen Weitertransport per Hubschrauber direkt zu den Kliniken umgestellt werden. In den letzten Jahren haben im Schwarzwaldstadion durchschnittlich 21 Spiele pro Jahr stattgefunden, davon 17 Pflichtspiele in der Bundesliga. Bei 24 Spielen jährlich (d.h. mit Pokal oder internationalen Wettbewerben) wären nur 0,6 Prozent der gesamten Jahresbetriebszeit betroffen.

Anpassung des Sicherheitsstreifens: Mit Bau des Stadions und einer Verlagerung der Segelflugbahnen auf die Ostseite der Start- und Landebahn soll der Sicherheitsstreifen der Bahn von beidseits jeweils 50 Metern Breite auf 40 Meter verringert werden. Das entspricht nach einem eigens dazu erstellten Gutachten den einschlägigen Standards und Sicherheitsvorschriften und wird von Fachgutachtern als zulässig erachtet. Nach wie vor wird der Bereich innerhalb des 10 Meter breiten Abschnitts (zwischen 40 und 50 Meter seitlich der Bahnachse) von Bebauung freigehalten, was zusätzlich der Sicherheit dient.  Die Entscheidung über die Anpassung des Sicherheitsstreifens obliegt dem Regierungspräsidium.

Auswirkungen auf die Flugmeteorologie: Bereits bei der Prüfung der K.O.-Kriterien 2014 war untersucht worden, welche Auswirkungen das Stadionbauwerk auf die Flugmeteorologie haben könne. Weil in Kreisen der Flieger immer wieder die wissenschaftliche und fachliche Methodik und die Ergebnisse in Zweifel gezogen worden waren, hat die Stadt nun für die Bauleitplanung ein neuerliches Gutachten erarbeiten lassen. Die Gutachter haben durch hochpräzise Luftströmungsmessungen in einem Windkanal untersucht, ob das Stadion möglicherweise zu einer Gefährdung für den Flugverkehr durch Windströme führen kann. Dazu war eigens ein maßstabgerechtes Modell der Örtlichkeit mit Stadion und Wolfsbuck gebaut worden; die Gutachter der GfL haben auf diesen Grundlagen mehrere Hundert Versuche in Flugsimulatoren mit verschiedenen Piloten durchgeführt, die unterschiedliche fliegerische Erfahrung aufwiesen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Durch das Stadion und die Universitäts-Bebauung ist kein feststellbarer gesonderter Einfluss auf die Flugsicherheit gegeben; Maßnahmen zur Risikominimierung (zum Beispiel Einschränkungen des Flugbetriebs) sind nicht erforderlich. Damit ist auch die ursprüngliche Empfehlung der Gutachter zu den K.O.-Kriterien von 2014 hinfällig, dass der Flugbetrieb aus flugmeteorologischen Gründen für ca. 90 Stunden pro Jahr eingestellt werden müsse.

Das Bürgermeisteramt hat im Sinne eines transparenten Verfahrens den Flugplatznutzern Ende Januar 2016 die Gelegenheit zum Gespräch mit den Experten der GfL ermöglicht, und wird die Gutachten Anfang November 2016 auf der Homepage der Stadt zur Verfügung stellen. Ende November 2016 können die Flugplatznutzer die Ergebnisse sowohl mit den Experten der GfL als auch mit denen der Fa. Wacker Ingenieure diskutieren. 

Vergabeverfahren für einen Totalunternehmer:

Fast zeitgleich mit der Gründung der Stadion Freiburg Objektträger GmbH & Co. KG (SFG) zum 1. April 2016 startete auch mit einer Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt das europaweite Verfahren, mit dem ein Totalunternehmer für die Realisierung des Stadions und der Außenanlagen ausgewählt wird. Der Totalunternehmer erarbeitet die Gestaltung für das Stadionbauwerk und erstellt auf der Basis eines finanziellen Festpreisangebotes das Bauwerk samt Außenanlagen als schlüsselfertige Anlage nach den fachlich-inhaltlichen Vorgaben der Ausschreibung. Das bedeutet: Der architektonische Entwurf und die vollständige Bauausführung bleiben in der Hand eines Anbieters, in der Regel sind dies  Bauunternehmen, die sich erfahrenen  Architektur- oder Planungsbüros als Subunternehmer bedienen.  Anders als bei herkömmlichen Ausschreibungen, können im Rahmen von so genannten strukturierten VOB-Verhandlungsverfahren Bieterangebote verbessert und überarbeitet werden. Die Auswahl eines Totalunternehmers geschieht nach einem Kriterienkatalog, der unter anderem die Aspekte Funktionalität, Gestaltung, wirtschaftlichen Vermarktbarkeit, Folgekosten sowie Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Im ersten Verfahrensschritt, dem sogenannten Teilnahmewettbewerb, sind aus den eingegangenen Bewerbungen zunächst mehrere Bieterkonsortien ausgewählt worden, die am eigentlichen Verhandlungsverfahren teilnehmen. Voraussetzung zur Aufnahme eines Bieterkonsortiums war unter anderem der Nachweis von Referenzprojekten und einer entsprechenden Leistungsfähigkeit, um ein solches Vorhaben mit bis zu 70 Millionen Euro Investitionsvolumen überhaupt stemmen zu können.

Ende September hat die SFG diesen qualifizierten Bietern die Unterlagen zur Verfügung gestellt, die für die Erarbeitung eines umfassenden Angebotes erforderlich sind: Ein dickes Aktenpaket, in dem alle räumlichen, technischen und funktionalen Anforderungen definiert sind, die in einem qualifizierten Angebot zu erfüllen sind. Bis Jahresende 2016 reichen die Bieterkonsortien ihre Angebote ein, die in einer anschließenden Phase weiter bearbeitet und optimiert werden.  Aus diesen wird ein kleiner Kreis von Bietern ausgewählt, mit denen detaillierte Verhandlungen geführt werden. Bis zur Sommerpause 2017 soll die endgültige Entscheidung fallen, welcher Bieter den Zuschlag erhält und als Totalunternehmer mit der Realisierung beauftragt wird. Die Entscheidung fällt die SFG in Abstimmung mit der Stadt und dem SC Freiburg; in das Verfahren wird auch der Aufsichtsrat der Gesellschaft einbezogen, dem allein 14 Gemeinderäte angehören.

Weil das Verfahren nach den Vorschriften der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen durchgeführt wird, bleibt – ähnlich wie in einem Architektenwettbewerb - die Identität der Bieterkonsortien bis zur endgültigen Entscheidung geheim; auch die einzelnen Bieter sind nicht darüber informiert, wie viele und welche weiteren Mitbewerber an dem Verfahren teilnehmen. 

Zeitplan / weiteres Vorgehen:

Der zwischen Stadt, SFG und Sport-Club abgestimmte Fahrplan für das Stadion sieht als erklärtes Ziel vor, im 2. Quartal 2017 die Offenlage der Bebauungspläne durch den Gemeinderat beschließen zu lassen. Der nächste Verfahrensschritt ist die Planreife, die für Herbst 2017 angestrebt wird; die Satzungsbeschlüsse als letzter Schritt sind für Frühjahr 2018 vorgesehen. Da mit der Planreife bereits ein Baurecht geschaffen wird, können die Erschließungsarbeiten für den Stadionbau ab Jahresbeginn 2018 beginnen.

Zeitlich damit abgestimmt ist das Vergabeverfahren für die Auswahl des Totalunternehmers. Nach dem gültigen Zeitplan soll möglichst noch bis zur Sommerpause 2017 die Entscheidung fallen, welches Bieterkonsortium den Zuschlag erhält. Der Zeitraum zwischen Beauftragung und tatsächlichem Start der Arbeiten wird für Verhandlungen, Vertragsabschluss und detaillierte Planung sowie das Baugenehmigungsverfahren benötigt.

Bereits im letzten Quartal 2017 sollen auch die ersten vorbereitenden Arbeiten wie Leitungsverlegungen, Anlage einer Baustraße, Rodungen oder Sondierungen nach möglichen Blindgängern stattfinden. Bis dahin wird die Erschießungsplanung im Garten- und Tiefbauamt weiter konkretisiert und fortgeschrieben. In den Jahren 2018/2019 wird schließlich der zweite Bauabschnitt der Stadtbahn Messe von der 11. Fakultät / Solar-Infocenter bis zur Endhaltestelle mit Wendeschleife an der Kreuzung Hermann-Mitsch-Straße/Madisonallee gebaut und rechtzeitig vor der Eröffnung des Stadions in Betrieb genommen. 

Das neue Stadion soll dann zum Saisonbeginn der Bundesliga-Saison 2019/2020 spielfertig sein und in Betrieb gehen.  

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