Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 28.11.2016

Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 28.11.2016

Gutachter empfehlen: Unterbrechung des Flugbetriebs vor Spielen im künftigen Stadion für 5 bis 6 Stunden pro Spieltag +++ Sperrzeiten summieren sich auf voraussichtlich nicht mehr als 2 bis 2,5 Prozent der Betriebszeiten des Flugplatzes pro Jahr, Beschränkungen liegen damit im Bereich der ursprünglich erwarteten Einschränkungen von 90 Stunden pro Jahr +++ Empfehlungen basieren auf strengsten Sicherheitsvorschriften und auf international anerkannten wissenschaftlichen Verfahren und Standards unter Berücksichtigung eines immer ausverkauften Stadions +++ Bürgermeisteramt informiert heute Hauptausschuss +++

Im Rahmen des Aufstellungsverfahrens für den Bebauungsplan Neues Fußballstadion am Flugplatz hat die Verwaltung in den letzten Monaten alle sich aus der Nachbarschaft von Stadion und Flugplatz möglicherweise ergebenden Sicherheitsrisiken durch renommierte Gutachter analysieren und bewerten lassen. Dabei sind auch die bereits 2013/2014 erarbeiteten Stellungnahmen von Fachleuten zur Flugsicherheit zu möglichen K.O.-Kriterien einbezogen worden, ebenso wie die von Flugplatznutzern vorgelegten Gutachten. Die von der Stadt beauftragte „Gesellschaft für Luftverkehrsforschung“ (GfL) in Dresden hat dabei insbesondere die Risikopotentiale untersucht, die sich vor, während und nach Spielen im neuen Stadion Wolfswinkel durch die Ansammlung größerer Menschenmassen im Stadion bzw. auf dem Weg dorthin und wieder zurück zur Stadtbahn ergeben können.

Seit wenigen Tagen liegt der Bauverwaltung die zusammenfassende Bewertung der GfL vor, über deren wesentliche Inhalte heute der gemeinderätliche Hauptausschuss informiert worden ist. Danach empfehlen die Gutachter nicht nur, dass wegen des so genannten „Gruppenrisikos“ durch Menschenansammlungen an den Stadtbahn-Haltestellen Madisonallee der Flugverkehr für eineinhalb Stunden nach Spielende unterbrochen wird, sondern auch eine Sperrung des Flugplatzes in einem Zeitraum von ca. eineinhalb bis zweieinhalb Stunden vor dem Spiel und während des Spiels, insgesamt also 5 bis höchstens 6 Stunden pro Spiel. Da je nach Spielbeginn davon auch Zeiten außerhalb der regulären Betriebszeiten des Flugplatzes umfasst sind, liegt die tatsächlich zu erwartende Gesamtdauer der Ausfallzeiten selbst bei ungünstigsten Annahmen voraussichtlich zwischen ca. 78 und 98 Stunden jährlich und damit zwischen lediglich 2 und 2,5 Prozent der Betriebszeiten. Die Gutachter empfehlen diese Sperrzeiten, um bei großen Menschenansammlungen rings um das Stadion vor und nach Spielen sowie in einem vollbesetzten Stadion jegliches Risiko durch Flugunfälle ausschließen zu können.

In der heutigen Sitzung des Hauptausschusses verwies die Verwaltung darauf, dass die Gutachter der GfL dabei die in Europa strengsten Sicherheitsvorschriften gegen Massenunfälle nach niederländischem Recht zugrunde gelegt haben. Da die dabei eingesetzten Untersuchungsverfahren und wissenschaftlichen Standards zur Risikoanalyse international anerkannt sind und auch u.a. bei großen Flughäfen wie Frankfurt oder München angewandt wurden, wird die Verwaltung sich diesen Empfehlungen anschließen.

Gleichzeitig weist das Bürgermeisteramt darauf hin, dass die Betriebseinschränkungen aufgrund der jetzt vorliegenden Empfehlungen der GfL-Gutachter im Bereich der ca. 90 Stunden pro Jahr liegen, wie sie noch 2014 als Beschränkung für den Flugplatz angenommen worden waren, und diese im wahrscheinlichsten Fall noch deutlich unterschreiten werden. Damals hatte ein Gutachten Betriebsbeschränkungen in diesem Umfang bei ungünstigen Wind- und Wetterlagen prognostiziert. Der Zeitraum von 90 Stunden Betriebsbeschränkung pro Jahr war bei dem Grundsatzbeschluss für den Bau des neuen Stadions im November 2014 als vertretbar vom Gemeinderat akzeptiert worden. Da zu erwarten ist, dass mehr Spiele als von der Verwaltung bei ihren jüngsten Berechnungen angenommen in unkritischeren Zeiten liegen werden (z. B. ab 20 oder 20.30 Uhr in der Winterzeit, wenn der Flugplatz um ca. 18 Uhr schließt), sind tatsächlich geringere Ausfallzeiten zu erwarten.

Zur Vorgeschichte: 

Mögliche Gefahren für Stadionbesucher durch den Flugbetrieb sind bereits im Rahmen der Überprüfung möglicher K.O.-Kriterien im Vorfeld des Grundsatzbeschlusses vom November 2014 untersucht worden. Damals war der Sachverständige davon ausgegangen, dass Stadion und Flugbetrieb nebeneinander möglich seien.

Bei den Untersuchungen der K.O.-Kriterien waren auch mögliche Risiken ermittelt worden, wie sie durch ungünstige Wind- und Wetterlagen nach dem Bau des Stadions auftreten können. Der damals tätige Sachverständige hatte damals ermittelt, dass es aus Gründen der Flugmeteorologie zu Sperrzeiten von rund 90 Stunden pro Jahr kommen werde. Dies kann mittlerweile durch Untersuchungen im Windkanal und nahezu 1.000 Versuche in Flugsimulatoren ausgeschlossen werden.

Im weiteren Verfahren für den Bebauungsplan sind, auch auf Anregung der Flugplatznutzer und des Regierungspräsidiums, die Risiken untersucht worden, die sich für die geplanten Stadtbahn-Haltestellen an der Madisonallee ergeben können, wenn nach Spielende dort wartende Menschenansammlungen südlich der Start- und Landesbahn überflogen werden. Die Gutachter von GfL hatten für diesen Bereich im Sommer empfohlen, den Flugverkehr für die Dauer der Abreise der Stadionbesucher (jeweils 90 Minuten nach dem Abpfiff) zu unterbrechen.

Vorsorglich hatte die Bauverwaltung daraufhin auch untersuchen lassen, ob eine solche Maßnahme auch für den Zeitraum vor Spielen angezeigt sei. In einem weiteren Schritt war schließlich die GfL beauftragt worden, auch die ursprüngliche Bewertung für das Stadion während eines Spiels zu überprüfen. Zu beiden Punkten – vor Spielbeginn und während der Spiele – empfehlen die Gutachter eine Sperrung des Flugbetriebs von insgesamt rund 5 bis maximal 6 Stunden, einschließlich der bereits empfohlenen Unterbrechung nach Spielende von 1,5 Stunden. Damit korrigieren die GfL-Gutachter die Aussage des Sachverständen von 2014. Welcher Zeitraum vor Spielbeginn anzusetzen sein wird und ob es dann 5 oder 6 Stunden Sperrzeit sein werden, wird in den nächsten Wochen festgestellt.

Die Verwaltung legt Wert auf die Feststellung, dass sie während des gesamten bisherigen Prozesses eine umfassende und frühzeitige Einbindung der Flugplatznutzer ermöglicht hat. Der Informationsverlauf war dabei im Wesentlichen der folgende:

Januar 2014: Ermittlung von ca. 90 Stunden Sperrzeit aufgrund flugmeteorologischer Auswirkungen des Stadions (Drucksache G-14/003).

August 2015: Entscheidung über neue Begutachtung der Themenfelder Flugmeteorologie und Flugsicherheit und Abstimmung der Leistungsbilder mit Regierungspräsidium Freiburg

November 2015: Beauftragung der GfL zur Begutachtung der Flugsicherheitsaspekte

Januar 2016: Gesprächstermin der Flieger mit den Gutachtern der GfL über Art und Umfang der Untersuchungen. Die Anregungen wurden von den Gutachtern aufgenommen.

Juli 2016: Information der Flieger über die Unbedenklichkeit der flugmeteorologischen Auswirkungen des Stadions, aber Notwendigkeit der Unterbrechung des Flugbetriebs nach Spielende für ca. 1,5 Stunden (entspricht ca. 20 Stunden Gesamt-Sperrzeit jährlich). Hinweis auf weitere laufende Untersuchungen.

15. November 2016: Zwischeninformation des Gemeinderates und Hinweis auf weitere laufende Untersuchungen (zu diesem Zeitpunkt bekannt: 1,5 Stunden Sperrzeit nach Spielende).

18. November 2016: Information der Stadtverwaltung durch die Gutachter über die Notwendigkeit einer Sperrung des Flugbetriebs von 5-6 Stunden an Spieltagen.

28. November 2016: Information des Hauptausschusses durch die Verwaltung über die neuen Erkenntnisse aufgrund des bevorstehenden Termins mit den Flugplatznutzern am 29.11.2016.

Auswirkungen auf die Betriebszeiten: 

Da der Flugplatz Freiburg nicht über die entsprechenden Einrichtungen für Starts und Landungen bei Dunkelheit verfügt, ist die Betriebszeit des Flugplatzes jahreszeitlich unterschiedlich, im Jahresmittel 3.984 Stunden. In den Sommermonaten endet der Betrieb um 20 Uhr oder in der dunkleren Jahreszeit jeweils eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Das bedeutet: Abendspiele bewirken geringere (oder gar keine) Sperrzeiten als Spiele am frühen Nachmittag. In allen Berechnungen hat die Verwaltung jedoch Worst-Case-Szenarien unterstellt, d.h. Spiele, deren Anstoßzeiten zu jeweils weitestgehenden Sperrzeiten für den Flugbetrieb führen würden.

Im langjährigen Jahresmittel werden 20 bis 21 Spiele pro Jahr im SC-Stadion ausgetragen; darin eingerechnet sind neben den 17 Pflichtspielen in der Bundesliga auch Begegnungen wie Pokal- und Freundschaftsspiele usw.; von diesem Durchschnitt von 21 Spielen gehen alle Berechnungen aus.

Wenn die aus heutiger Sicht wahrscheinlichere Sperrzeit von 5 Stunden vor, während und nach Spielen umgesetzt wird, bedeutet dies in der 1. Bundesliga bei 21 Spielen jährlich voraussichtliche Betriebseinschränkungen von rund 77 bis 78 Stunden pro Jahr (= weniger als 2 Prozent) der jährlichen Betriebszeit des Flugplatzes. In der 2. Liga liegen aufgrund der zumeist früheren Anstoßzeiten die Zahlen geringfügig höher, nämlich bei 85 Stunden jährlich. Selbst bei dem theoretischen (und real sehr unwahrscheinlichen) Szenario von 36 Spielen pro Jahr (d.h.: Bundesliga, Durchmarsch des SC Freiburg im DFB-Pokal sowie in Euro-League bzw. Champions League jeweils bis zum Halbfinale und jeweils als Heimspiele, ein Länderspiel und mehrere Vorbereitungsspiele) wären die Einschränkungen kaum höher (107 Stunden bzw. 2,7 Prozent der Gesamt-Betriebszeiten) als die ursprünglich angenommenen 90 Stunden Betriebseinschränkung, wie sie noch vor dem Grundsatzbeschluss und dem Bürgerentscheid 2014 und 2015 in Rede standen.

Die Bauverwaltung hat auch die Auswirkungen für die Wochenenden untersuchen lassen, an denen in der Regel ein stärkerer Betrieb mit Sport- und Freizeitfliegern stattfindet. Von insgesamt 104 Samstagen und Sonntagen eines Jahres wären an maximal 17 Tagen (Samstage oder Sonntage) Sperrungen für den Flugbetrieb für eine bis max. sechs Stunden erforderlich, davon neun Tage in den Sommermonaten April bis Oktober. Anders ausgedrückt: An mehr als 80 Prozent der Wochenendtage werden aus heutiger Sicht die Flieger den Flugplatz uneingeschränkt nutzen können.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass trotz einer relativ langen Sperrzeit von bis zu sechs Stunden pro Spiel nur geringe Auswirkungen auf den geschäftlichen und privaten Betrieb des Flugplatzes zu erwarten sind. Voraussichtlich liegt die Gesamtdauer unter den Sperrzeiten von 90 Stunden pro Jahr, die ursprünglich im Vorfeld des Grundsatzbeschlusses prognostiziert wurden. Lediglich bei außergewöhnlichem sportlichen Abschneiden des SC mit Teilnahme an internationalen Wettbewerben und dadurch mehr Spielen in Freiburg wären höhere Ausfallzeiten für die Flieger zu erwarten.

Weiteres Vorgehen:

Die jetzt von den GfL-Gutachtern erarbeiteten Empfehlungen sowie die abschließende Auswertung der Auswirkungen auf den Flugbetrieb fließen in die Abwägung für die Bebauungspläne Stadion und Stadtbahn Messe mit ein und sind dort zu gewichten. Im Interesse bestmöglicher Sicherheit schließt sich die Verwaltung den Aussagen der Gutachten an. Die daraus folgende Beschränkung der Betriebszeiten wird erst mit der Eröffnung des Stadions notwendig; sie wird von der Flugplatz Freiburg GmbH als Betreiberin des Flugplatzes beantragt und vom Regierungspräsidium festgesetzt. Die grundsätzliche Betriebspflicht des Flugplatzes Freiburg wird hierdurch nicht verletzt.

Am 29. November treffen auf Einladung des Baudezernats die Flugplatznutzer, Flugsportvereine, Betriebe usw. zu einem Gespräch mit den Gutachtern zur Flugsicherheit zusammen, und können diese zu ihren Untersuchungen befragen. Ein weiteres Thema dieser Gesprächsrunde ist die vom Flugplatz Freiburg-Breisgau GmbH beabsichtigte Verlagerung der Segelflugbahnen, um den Segelflugvereinen einen Verbleib am Flugplatz zu ermöglichen.

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