Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 04.05.2017

Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 04.05.2017

Wichtiger Schritt für die Realisierung des neuen Fußballstadions:

Bürgermeisteramt legt umfangreichen Entwurf des Bebauungsplans für das neue Stadion mit zahlreichen Fachgutachten vor

Der Planentwurf berücksichtigt auch die Stellungnahmen der frühzeitigen öffentlichen Beteiligung

Der Gemeinderat entscheidet am 23. Mai – danach geht der Planentwurf in die Offenlage

Ende des Jahres beginnen die vorbereitenden Arbeiten

Die Planung für das neue Fußballstadion am Wolfswinkel läuft in den städtischen Ämtern und im Baudezernat sowie bei der Stadion Freiburg Objektträger GmbH (SFG) auf Hochtouren und im Zeitplan. Mit der Vorlage des Bebauungsplan-Entwurfs ist nun ein zentraler Meilenstein erreicht. Dieser basiert auf Ergebnissen einer Vielzahl von Fachgutachten zu den Themen Natur und Landschaft, Klima, Schallschutz, Flugsicherheit, Verkehr und Energie. Dabei wurden auch die Einwände, Hinweise und Anliegen aus der frühzeitigen Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung aus dem Jahr 2015 berücksichtigt und in den Planentwurf eingebaut.

Die Weiterentwicklung des Verfahrens hat zwar zu einigen Veränderungen geführt und ist inzwischen sehr viel präziser und detaillierter – in ihren Grundzügen entspricht die Planung aber noch dem Sachstand vom Grundsatzbeschluss des Gemeinderates im November 2014 und beim Bürgerentscheid im Februar 2015.

Oberbürgermeister Dieter Salomon zeigt sich zufrieden über den Planentwurf: „Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt geschafft. Die maßgeblichen Fachthemen des Stadionprojektes wurden allumfassend bearbeitet und begutachtet. Der vorliegende Bebauungsplan ist ein Mammutwerk, denn wir haben es hier mit einem der umfangreichsten Verfahren der jüngeren Stadtgeschichte zu tun.“

Der Bebauungsplan wurde gestern im Bauausschuss vorgestellt, am 16. Mai wird er in einer Sondersitzung ausführlich beraten – am 23. Mai entscheidet dann der Gemeinderat. Parallel wird auch über den Bebauungsplan-Entwurf für das Universitätsquartier am Flugplatz entschieden. Für Mitte Juni ist die Offenlage beider Entwürfe geplant, hier hat die Bürgerschaft nochmals sechs Wochen lang die Gelegenheit zur Stellungnahme. Darauf folgt, sollten keine Planänderungen notwendig werden, die sogenannte „Planreife“, die den Erlass der Baugenehmigung und Erschließungsmaßnahmen gestattet. Letzter Schritt der Bebauungsplanverfahren ist der Satzungsbeschluss durch den Gemeinderat, der für Frühjahr 2018 vorgesehen ist.

„Obwohl für dieses aufwändige Bebauungsplanverfahren zahlreiche Gutachten nötig waren, sind wir gut im Rennen und können den Zeitplan einhalten. Wir warten jetzt die Offenlage ab und wollen dann so rasch als möglich mit dem nächsten Schritt in die Realisierung einsteigen“, ergänzt Baubürgermeister Martin Haag.

Wie wichtig der Stadionneubau für den Bundesliga-Standort Freiburg ist, betont SC-Vorstand und SFG-Aufsichtsrat Oliver Leki: „Die DFL hat die Lizensierungsauflagen weiter angezogen. Wir erhalten die Lizenz auch für die kommende Saison nur mit Auflagen. Wie prognostiziert, kommen wir hier in den letzten Jahren des Schwarzwald-Stadions als Bundesliga-Stadion immer mehr an unsere Grenzen – und darüber hinaus.“

Der nun vorgelegte Entwurf des Bebauungsplanes ist das Ergebnis eines mehrjährigen, intensiven Planungsprozesses.

Die Auswirkungen des Stadionbaus auf Natur und Landschaft wurden umfangreich analysiert und gelöst. Im Rahmen der Eingriffsregelung kommt die Stadt der gesetzlichen Verpflichtung nach, jeden Eingriff in geschützte Lebensräume oder in schützenswerte Populationen auszugleichen. Mit den im Gewerbepark Breisgau vereinbarten Flächen kann ein großer Teil der notwendigen Ausgleichsflächen vor allem für Magerrasen und für die Braunfleckige Beißschrecke nachgewiesen werden. Dazu kommen noch Flächen auf der Mülldeponie Eichelbuck, im nördlichen Teil des Freiburger Flugplatzes sowie auf den Gemarkungen Vogtsburg und March.

Die Sorge vor möglichen klimatologischen Auswirkungen durch den Stadionkörper hat sich nicht bestätigt. Fachgutachterliche Messungen, Simulationen und Analysen auf dem neusten Stand der Technik haben keine negativen Auswirkungen auf das Stadtklima (Temperatur und Durchlüftung) im Stadtteil Mooswald ergeben.

Auch die Anforderungen des Schallschutzes wurden intensiv geprüft. Die Untersuchungen haben ergeben, dass bei sachgerechter Umsetzung der erforderlichen Schallschutzmaßnahmen der Betrieb des Fußballstadions für die umliegenden Gebiete verträglich ist. Entsprechende Ergebnisse sind bereits in das Planungs- und Vergabeverfahren des Stadions eingeflossen.

Aufgrund der Lage in direkter Nachbarschaft zum Freiburger Flugplatz wurde der Themenbereich Flugsicherheit umfangreich untersucht. Dem Bebauungsplan liegen mehrere Fachgutachten der „Gesellschaft für Luftverkehrsforschung“ (GfL) zugrunde. Danach ist durch das neue Fußballstadion außerhalb von Spielzeiten kein feststellbarer Einfluss auf den sicheren Flugbetrieb im An- und Abflug gegeben. Wegen möglicher Gefahren der Stadionbesucher durch den Flugbetrieb empfehlen die Gutachter an Spieltagen den Flugverkehr vor dem Fußballspiel drei Stunden, während des Spiels zwei Stunden und nach dem Spiel eineinhalb Stunden zu unterbrechen.

Um Blendwirkungen durch die Stadionbeleuchtung zu vermeiden, empfiehlt die GfL, die Flutlichtanlage vollständig unterhalb der Dachkonstruktion anzubringen.

Betroffen vom Bau des neuen Fußballstadions sind auch der Segelflugbetrieb und die Fallschirmspringer. Die Fallschirmspringer werden voraussichtlich zum Verkehrslandeplatz Lahr verlagert, für die Segelflieger bemühen sich die Stadt und die Flugplatz Freiburg-Breisgau GmbH, östlich der Motorfluglandebahn neue Segelflugbahnen anzulegen.

Das Verkehrskonzept  für den Stadionstandort sieht gegenüber anderen Bundesligastadien einen geringeren Anteil des motorisierenden Individualverkehrs vor. Unter Einhaltung aller rechtlichen Anforderungen und fachlichen Standards ist vorgesehen, dass der überwiegende Teil der Fußballfans das Stadion mit der Stadtbahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann. Gut zwei Drittel der Stadionbesucher werden öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Wichtigster Baustein der Verkehrserschließung bleibt die Stadtbahn. Mit der Verlängerung der Stadtbahn Messe bis zur Endhaltestelle an der Hermann-Mitsch-Straße soll an der Madisonallee eine Haltestelle „Stadion“ mit drei Bahnsteigen entstehen. Bis zum Stadion sind es von dort noch rund 800 Meter Fußweg über einen großzügigen Fußgängerboulevard.

Wie bisher auch, werden viele Fans das neue Stadion zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Aus allen Richtungen führen eigene, teils neue Wege zum Stadion. Für eine gute Anbindung an die S-Bahn werden ein neuer Fußweg östlich des Bahndamms und eine neue Fußgängerrampe an dem bestehenden Haltepunkt „Messe / Universität“ angelegt.

Ein wichtiger Baustein des Energiekonzeptes ist die Nutzung der Fernwärme aus überschüssiger Abwärme der Firma Solvay/Rhodia. Dieses Konzept wurde in Abstimmung  mit dem Umweltschutzamt, der Stadiongesellschaft, der FWTM und zwei Fachbüros entwickelt. Es sieht vor, die Abwärme aus dem Produktionsprozess der Firma Solvay/Rhodia abzunehmen und in ein Fernwärmenetz einzuspeisen, das den Wärmebedarf nicht nur des Stadions, sondern noch weiterer Projekte im Umfeld deckt. Die Gutachter gehen von einer CO2-Einsparung von 550 Tonnen jährlich im Vergleich zu einer herkömmlichen Heizungsanlage für das Stadion aus. Damit kommt die Energieversorgung dem Ziel eines klimaneutralen Stadions nahe, zumal der Jahresbedarf an elektrischer Energie weitgehend durch Photovoltaik-Anlagen gedeckt werden soll. In welcher Größe und an welchen Standorten, hängt letztlich von der architektonischen Gestaltung des Stadions ab und somit vom Ausgang des Vergabeverfahrens für einen Totalunternehmer.

Der Totalunternehmer erarbeitet die Gestaltung für das Stadionbauwerk und erstellt auf Basis eines finanziellen Festpreisangebotes das Bauwerk samt Außenanlagen als schlüsselfertige Anlage nach den fachlich-inhaltlichen Vorgaben der Ausschreibung.

Auch hier liegt man im Zeitplan: Im Sommer dieses Jahres soll die Entscheidung über den Totalunternehmer fallen, nachdem bei einer Aufsichtsratssitzung der SFG Anfang April bereits die besten Stadionentwürfe nach bestimmten Kriterien (z.B. Funktionalität, Gestaltung, Architektur, Nachhaltigkeit und Kosten) ausgewählt wurden.

Bereits Ende 2017/Anfang 2018 sollen erste vorbereitende Arbeiten wie Rodungen, die Anlage einer Baustraße, der Bau eines neuen Flugplatzzauns oder Sondierungen nach möglichen Blindgängern stattfinden.

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